Was heisst zuhören?

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Bryn Bliska and Charles Holbrow, MIT Media Lab, Boston USA

Was heisst eigentlich einer Stadt zuhören? Und wie hält man wiederum diese Erfahrungen fest und teilt sie mit anderen? Als Forschungsassistenten in der «Opera of the Future»-Arbeitsgruppe teilen wir die Vorliebe für das aktive Hören und schätzen uns glücklich unterschiedliche Orte auf der ganzen Welt besuchen zu können, um uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Da Ihr Euch alle mit der Sinfonie für Luzern beschäftigt, möchten wir mit Euch unsere Herangehensweise teilen:
Obwohl es keinen richtigen oder falschen Weg gibt einer Stadt zuzuhören, so gibt es doch unterschiedliche Ansätze.

Ob wir einer neuen Stadt zum ersten Mal zuhören oder ob wir die Geräusche unseres täglichen Lebens in Boston näher betrachten; es gibt viele Fragen, die wir uns dabei stellen können. Diese Fragen sollten nicht dazu dienen bestimmte Antworten oder Resultate zu liefern, sie sollten uns vielmehr dazu anregen noch intensiver hinzuhören. Wir hoffen, dass Ihr eine Gelegenheit finden werdet, Luzern genau zuzuhören und dabei die Details wahrzunehmen, die sonst Eurer Aufmerksamkeit entgangen wären. Habt Ihr Euch folgende Fragen schon einmal gestellt?
• Wie viele einzelne Tonquellen tragen zu dem bei, was meine Ohren wahrnehmen?
• Wo im Raum befinden sich die Geräusche, die ich höre? Bewegen sie sich? Wie beeinflussen die Strukturen in meiner Umgebung – Gebäude, Mauern, Straßen, Freiräume – den Charakter dieser Töne?
• Ähneln diese Töne dem, was ich als «Musik» empfinde? Wie ähneln sie Musik oder auch nicht? Haben sie einen eigenen Rhythmus oder eine harmonische Komponente? Einzigartige Klangfarben?
• Verändern sich die Töne schnell während ich sie höre oder entwickeln sie sich eher langsam?
• Bemerke ich einen Unterschied dieser Klänge bei geschlossenen Augen? Und wenn ich mich dabei umdrehe?
• Gab es diese Geräusche vor 10 Jahren? Vor 50 Jahren? Vor 200 Jahren? Wird es sie in 10, 50, 200 Jahren noch geben? Erklingen sie auch zu einer anderen Tageszeit?
• Sind diese Töne persönlich und einzigartig? Öffentlich und universell?
• Gibt es diese Töne in anderen Städten? Was unterscheidet sie oder wodurch sind sie ähnlich?
• Welche Gefühle erwecken diese Töne in Dir und welche Adjektive würdest Du verwenden, um sie zu beschreiben?

Dies sind nur einige von vielen möglichen Fragen, über die Du Dein Bewusstsein für die Klangwelt um Dich herum schulen kannst. Sie sind auch Ansatzpunkte, um mit anderen darüber zu diskutieren, wie Du die Welt hörst. Wir ermutigen Dich, Deine eigenen Methoden zu erfinden und auf die Art und Weise zuzuhören, die Du am interessantesten findest!

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Wir hoffen, dass Du über das Hören hinaus auch unsere Smartphone App (Android | iPhone) herunterlädst oder auch mit einem alternativen Aufnahmegerät die Klänge aufnimmst, die für Dich Luzern ausmachen. Wir werden mit den Luzerner Klängen eine Sound-Datenbank einrichten – hoffentlich auch mit Deinem Beitrag. Hier gibt es einige Tipps und Ideen für die Aufnahme mit Deinem Smartphone:
• Das wichtigste am Aufnehmen ist das Zuhören. Kein Mikrophon funktioniert so gut wie Deine Ohren. Höre der akustischen Quelle genau zu und vergleiche sie mit Deiner Aufnahme.
• Wenn Du Deine Aufnahme anhörst, beurteile, ob Du sie interessant findest und sie klar zu erkennen ist. Wenn nicht, versuche dich von der Klangquelle etwas zu entfernen und nehme den Ton ein weiteres Mal auf.
• Prüfe, wo sich das Mikrophon an Deinem Smartphone befindet und richte das Mikrophon in Richtung der Klangquelle. Je nachdem, was Du für ein Modell besitzt, kann sich das Mikrophon oben oder unten am Gerät befinden.
• Wenn Du Deine Aufnahme draussen machst, versuche möglichst nicht im starken Wind aufzunehmen oder schütze das Mikrophon vor dem Wind.
• Wenn Du die Atmosphäre der Umgebung oder eines Raums aufnehmen möchtest, versuche den Klang zu fassen, indem Du das Smartphone mit Mikrophon im Raum bewegst.
• Versuche den Sound von verschiedenen Punkten aus aufzunehmen.
Einer der wichtigsten Faktoren, um einen Klang in guter Qualität aufzunehmen, ist die Distanz zwischen Mikrophon und Klangquelle. Es gibt keine «korrekte» Distanz, aber einige wichtige Dinge, die Du berücksichtigen kannst:
• Wenn Deine Aufnahme sehr unruhig ist und der Klang, den Du aufnehmen willst durch die Umgebungsgeräusche überdeckt wird, halte das Mikrophon näher an die Klangquelle.
• Wenn Du eher einen atmosphärischen Raumklang aufnehmen möchtest, als einen konkreten Sound, versuche die Klänge auszugleichen, indem Du Dich von den lauten Geräuschen entfernst und Dich den leisen Tönen näherst. Wenn Du zum Beispiel Dein Smartphone nah an einen kleinen Wasserstrahl hältst, wirst Du immer noch die Autos hören, die einige Häuserblocks entfernt sind.
• Durch die Bewegung der Klänge durch die Luft, werden hohe Frequenzen stärker gedämpft als tiefe. Wenn Du weit von Deiner Klangquelle entfernt bist, werden hohe Frequenzen schwächer. Dadurch wirkt ein Klang als wäre er weiter weg.
• Wenn Du Dich weiter von Deinem Klang entfernst, erhält der Klang eine unzählige Menge an reflektierten Klängen, da er an Gebäuden und anderen Hindernissen abprallt. Diese Reflektionen werden als «Hall» bezeichnet und tragen auch dazu bei, dass wir mit den Klängen Entfernungen wahrnehmen.
Anregungen? Fragen? Andere Ideen, wie man hören und aufnehmen kann? Schreib uns gerne einen Kommentar! Wir freuen uns auf Deine Nachricht und sind gespannt, Deine Klänge anzuhören.

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